Landesliga, 11.Runde: Taufkirchen - St.Valentin 2:4

Letzte Runde. Alle Teams der Landesliga in einem Raum. Wir sind wieder zu Besuch im Hörschinger Kulturzentrum. Das mit dem „OPALOMA“, dem lokalen Hotspot für die Generation Plus. Wer mehr Infos dazu haben möchte, sollte beim Bericht zur neunten Runde nachlesen.

Wie ist das mit der Generationen-Frage im Schach? Das Klischee besagt, dass Schach von alten weißen (und schwarzen) Männern gespielt wird. Jeder, der nur ein bisschen Ahnung von uns Valentinern hat, dass zumindest das mit dem Alter so nicht stimmt. Die Jugend drängt massiv nach, und das ist gut so. Dennoch wird der Stamm des Landesliga-Teams von der Generation 50+ gestellt, was im Schach bereits den Senior-Status verleiht.

Diese Doppelstrategie bringen wir in der Abschlussrunde noch mal deutlich zum Ausdruck: Brett 1 bis 3 wir alten Deppen, auf 4 bis 6 die uns längst ebenbürtige, mitunter überlegene und bald deutlich überlegene Jugend.

 Jedenfalls super, dass wir den großen Saal haben. Viel Platz, Ruhe, gutes Licht. Die Hörschinger haben nicht nur die Liga dominiert, sondern auch für hervorragende Spielbedingungen gesorgt. Und u.a. sich selbst damit einen überaus würdigen Rahmen für ihre Meisterfeier ermöglicht.

Und wir? Wir haben auch noch ein Ziel. Mit einem Sieg von mindestens 4:2 würden wir noch vom sechsten auf den vierten Platz vorstürmen. Na dann …!

Brett 1: Michel Tischler – Joachim Dornauer 1:0

Joachims Gegner heißt zwar Tischler, ist aber wohl Kellner von Beruf. Es gibt super-scharf mit etwas Kren dazu. Michel zeigt von Anfang an, dass er bereit ist, eine Figur am Altar des Mattangriffs zu opfern. Und tut es dann auch – das thematische Opfer, wie wir danach von unserem theoriebeschlagenen (ja!) und erfahrenen (das sowieso!) Captain aufgeklärt werden. Ja, Joachim sieht überaus vieles, manchmal auch Gespenster, findet nicht immer den besten Zug, verteidigt sich aber durchaus umsichtig. Dass dann das zwiespältige Endspiel ganz auf die Seite des Weißen kippt, ist ärgerlich. Allerdings sind die Winkelzüge der feindlichen Kavallerie selbst bei wenig Material am Brett immer wieder überraschend. Ein Jammer.

Brett 2: Klaus Theuretzbacher – Philipp Biedenkopf 1:0

Ein Sieg zum Abschluss, das wäre doch was Feines. Also gebe ich wieder Vollgas. Spiele eines meiner üblichen Gambits und mache Druck. Mein Gegner gibt mir die Chance für ein paar äußerst gefinkelte Züge, yes, bin richtig stolz, diese zu finden. Dann hält er aber gut dagegen, als ich zu schnell ziehe und den (ungenau) vorausberechneten Schlagwechsel ermögliche. Plötzlich gerate ich in die Defensive. Immerhin finde ich ein paar geschickte Verteidigungszüge, mein Gegenüber zaudert und stellt dann – in komplizierter Stellung bei knapper werdender Zeit – eine Figur ein. Das Finale ist dann leicht zu finden, der ganze Punkt im Sack. Juhu.

Brett 3: Joachim Standhartinger – Peter Kranzl ½:½

Haben die vom Verband doch tatsächlich für die letzte Runde die Regeln geändert. Plötzlich gilt, dass man erst 30 Züge gespielt haben muss, um Remis zu vereinbaren. Ich glaube, es handelt sich dabei um eine dezidierte Anti-Peter-Regelung. Ihm ist’s dann egal, er strebt pfeilgerade das Unentschieden an – so, wie man ihn halt kennt. Nicht viel los die ganze Partie, stets innerhalb seines Lieblingswortes, der so genannten „Remisbreite“. Exakt nach dem 30. Zug dann das von allen erwartete Ende: Peace!

Brett 4: Thomas Kim – Matthias Thorsten 1:0

Eine verschachtelte Angelegenheit. Wir sind uns einig, dass Thomas besser aus der Eröffnung gekommen ist – und dies, obwohl die typischen Probleme des Schwarzen in einer französisch anmutenden Struktur bereits gelöst scheinen (schwacher Damenläufer ist getauscht). Thomas macht überall Druck. Im Zentrum hat er sowieso Raumvorteil, auch links und rechts davon gibt er Gas. Er opfert ein Bäuerlein, und dann? Es sieht so aus, als könnte sich der Schwarze konsolidieren. Geht da noch was? Mit dieser Frage im Kopf verliere ich die Partie aus den Augen. Keine Ahnung, wie es unserem Youngster gelingt, den Punkt zu sichern. Jedenfalls Gratulation!

Brett 5: Matthias Liam – Noah Pleimer 0:1

Ganz sicher kennen sich die beiden von etlichen Jugendturnieren. In ihrem Aufeinandertreffen ist rasch erkennbar, wer (jedenfalls heute) der deutlich bessere ist. Noah erhält als Schwarzer rasch eine überlegene Position, baut diese Zug um Zug aus und setzt Matthias mit feinem Spiel immer stärker unter Druck. Von außen wirkt das äußert solide und, ja, fehlerlos. Auch hier kriege ich das Ende der Partie nicht mit – das kommt davon, wenn man selbst schwitzen muss. Aber an Noahs Gewinn habe ich keine Sekunde gezweifelt, alles andere als ein klarer Sieg wäre unverdient gewesen. Chapeau!

Brett 6: Martin Koch – Anton Rüscher ½:½

Eigenartig, was da auf Brett sechs produziert wird. Erst wirkt es so, als würde Martin dominieren. Tut er offenbar auch, denn ich erfahre nach der Partie, dass es einen relativ einfachen Weg zu deutlichem Vorteil gegeben hat. Martin entscheidet sich allerdings für den falschen Bauernvorstoß. Dann kommt es zu einem Schlagwechsel – ich denke mir, sehr gut, jetzt gewinnt er eine Figur. Doch typisch Kiebitz, schlampig geschaut: diese hat er davor investiert. Also alles gleich, die Partie verebbt. Kann man noch was Entscheidendes machen. Nö, Martin kann nicht. Auch Anton nicht. Also remis.

Fazit der Runde

Juhu. Das Ziel exakt erreicht. Mit starken Leistungen vor allem auf den hinteren, jüngeren Brettern können wir uns mit dem Wunschergebnis gegen Taufkirchen durchsetzen. Noch mal ein schöner Abschluss.

Apropos Abschluss: das Apres-Schach wieder beim Italiener ums Eck, ein Ritual der Landesliga-Oldies nach Auswärtsmatches. Dass dann auch noch Michael (nach tatkräftiger Aufstiegshilfe für St.Martin/Traun in der Kreisliga Nord) dazustößt, umso besser. Nächstes Wochenende geht’s in dieser Viererrunde nach Graz zu den letzten Runden in der 2. Bundesliga. Und da wollen wir als Fans nicht fehlen!

Fazit der gesamten Meisterschaft

Das Maximum haben wir auch in der Tabelle erreicht. Mit dem vierten Platz können wir voll zufrieden sein. Zum Einsatz kamen viele Spieler und mit Alina auch eine Spielerin. Überhaupt haben die Kids aus der Kreisliga-Mannschaft sensationelle 4 aus 4 in der Landesliga gescort, wenn man Günther Huber noch dazuzählt (nicht zu den Kids, sorry, sondern zu den Ersatzspielern) sind es 5,5 aus 6!

Alle Stammspieler bewegten sich so um die 50 % mit den Ausreißern Joachim und Hans nach unten (leider nicht eure Saison, come back stronger next year!) und Martin nach oben.

Übrigens: Hörsching – Ziel 4:2 – Ergebnis 4:2 punktgenau erreicht. War da nicht was?! Den Hörschingern kann es heuer wurscht sein, immerhin haben sie ihrerseits die ganze Liga in Grund und Boden gespielt.

Hat es schon einmal eine solche Dominanz in der OÖ. Landesliga gegeben? Ich kann mich jedenfalls an nichts so Überragendes erinnern. Klare Siege ja, Legionäre eingesetzt auch, aber diese 11 Mannschaftssiege und 13,5 Punkte Vorsprung vor dem Zweiten in der Tabelle sind wohl Rekord. Um das zu verifizieren, müssen die Statistiker ran.

Unser eigentliches Ziel war der Spaß am Spiel. Und da haben wir doch vieles richtig gemacht – auch wenn die nachlassende Spielstärke (Stichwort Generation 50+) wohl den meisten von uns Oldies zusetzt und es bei Niederlagen alles andere als einfach ist, die mentale Wiederauferstehung im Humor zu finden. Naja. Das gehört dazu.

Und zum Schluss noch ein kleiner Ausblick auf 2026/2027: Es wird jedenfalls spannend, wie wir da die Teams zusammenstellen. Immerhin haben wir jetzt überall, also in jeder Liga, mindestens eine Valentiner Mannschaft (mit Ausnahme der 1. Bundesliga, aber selbst das ist ja noch möglich!?!). Das beweist, wie toll im Verein vor allem Nachwuchsbereich gearbeitet wird. Weiter so!

Endstand

Bericht: Klaus Theuretzbacher

Fotos: Peter Kranzl