Noch einmal kommen wir in den Genuss der so ungewöhnlichen heurigen Auslosung. Kein Auswärtsspiel, das allzu weit weg ist. Keine Sonntagspartien. Und nach jedem starken Gegner folgt einer aus der unteren Tabellenhälfte. Diesmal also das abstiegsgefährdete Vöcklabruck. Wir gehen als klare Favoriten in den Wettkampf. Das spiegeln uns unsere Gegner gleich wider, indem sie uns mit Remisangeboten auf fast allen Brettern „beglücken“. Kampfesmutig (und natürlich unabgesprochen) lehnen wir alle ab. Dass dann letzten Endes doch etliche Punkteteilungen herauskommen, spricht in den meisten Fällen für das Niveau der Partien und der sprichwörtlichen großen Remisbreite…
Brett 1: Klaus Theuretzbacher - Wolfgang Bernhard ½:½
Ich freue mich, in einer meiner Leib- und Magenvarianten zu landen und von Anfang an Druck machen zu können. Doch Wolfgang verteidigt sich äußerst umsichtig und geschickt. Schon bald signalisiert er, dass er mit einem Unentschieden zufrieden wäre. Ich will noch was probieren, jedoch habe ich einen Bauer investiert und finde keinen einigermaßen aussichtsreichen Weg zum Vorteil. Daher biete ich recht bald meinerseits Remis an. Und das war’s dann auch schon. Im Nachhinein stellt sich heraus, dass es eine von beiden Seiten praktisch fehlerfrei gespielte Partie war. Und in diesem Falle ist ein Remis nur gerecht.
Brett 2: Klaus Hofmair – Erwin Rumpl ½:½
Ganz ähnlich der Verlauf auf Brett zwei. Der andere Klaus, nämlich der auf Vöcklabrucker Seite, bietet schon sehr bald Remis, doch Erwin ist heute in besonders kämpferischer Stimmung. Er versucht alles Mögliche, um irgendwo ein Ungleichgewicht und einen möglichst gewinnbringenden Vorteil zu erreichen. Doch Klaus kontert geschickt und neutralisiert alle schwarzen Versuche. Nach langem Kampf und interessantem Turmendspiel das logische Ergebnis – oder wie der an diesem Tag etwas unterforderte Herr Fotograf es formuliert: „Die ganze Partie verlief stets innerhalb der Remisbreite.“
Brett 3: Joachim Dornauer – Josef Nußbaumer ½:½
Auch hier sind wir klarer Favorit, wohl am deutlichsten von allen Brettern. Und Joachim scheint auch äußerst zielstrebig auf dem Weg zum sicheren Punkt zu sein. Erst positionelles Druckspiel, dann ein Bäuerchen verspeist, dann ein zweites. Allerdings: So ein Endspiel mit Turm und Springer kann schon recht komplex werden. Denn plötzlich hat Josef Gegenspiel. Autsch, da dreht sich alles mit einem Zug, und es ist schlichtweg nichts mehr zu holen. Im Nachhinein kann man leicht klug daherreden: „Unterschätze nie die Chancen deines Gegners.“ Bitter, sehr bitter.
Brett 4: Heinz Stummer – Johann Weilguni 0:1
Nach höchst eigenwilliger Eröffnung stürmt Weiß mit seinen Königsflügelbauern voran. Der nach hinten gedrängte Hans kontert und schickt seine Queen nach vorne. Wo sie jedoch in die Bredouille gerät – nur unter Investition einer Figur lässt sich die schwarze Dame retten. Doch Hans im Glück: Heinz schlägt den todesmutigen schwarzen Springer mit der falschen Figur, wodurch Hans seinen Druck aufrechterhalten und letztlich Bauer um Bauer kassieren kann. Das Endspiel mit T+S+S+1B (Heinz) gegen T+L+6B (Hans) spielt Hans dann souverän nach Hause. Die einzige entschiedene Partie an diesem Nachmittag.
Brett 5: Horst Müller – Josef Mittendorfer ½:½
Hm. Interessante Eröffnung, schwierig einzuschätzen, beide haben ihre Chancen. Und beide glauben an ihre Chancen. Im Mittelspiel spitzt sich alles zu, die ungleichfarbigen Läufer tragen das Ihre dazu bei, dass sich beiderseits interessante Angriffsmotive ergeben. Immerhin sind auch noch die Damen und jeweils ein Turm auf dem Brett. In der überaus spannungsreichen Phase sind beide auf der Höhe, treffen die richtigen Entscheidungen. Von außen tippe ich auf Horst, ein Qualitätsopfer des Schwarzen samt Gegenspiel und vielen Drohungen macht diese Hoffnung jedoch rasch zunichte. Sie landen in einem Endspiel, das keiner gewinnen kann. Gut gespielt!
Brett 6: Andor Kiss – Michael Aigner ½:½
Da sieht es erst ganz vielversprechend für Michael aus, dann wieder nicht so. Irgendwo im Übergang von Eröffnung zu Mittelspiel unterschätzt er die weißen Drohungen, gerät unter Dauerdruck und ist dann froh, nur mit einem Minusbauer, dafür etlichen getauschten Figuren herauszukommen. Nun, so entsteht ein Damenendspiel, das Michael richtig gut verteidigt, indem er immer wieder lästige Gegendrohungen aufstellt. Der Weiße kann daher seinen Mehrbauer nicht nach vorne treiben und muss wohl oder übel ins Unentschieden wegen Dauerbelästigung einwilligen. Zäh gekämpft!
Fazit
Ja, auch als Favorit hat man es nicht leicht. Was wir uns an dem mauen Ergebnis wohl vorwerfen dürfen, ist, dass wir auf den weißen Brettern nicht mehr herausgeholt haben.
Aber immerhin: ein Sieg ist ein Sieg. Und wir haben nach wie vor Chancen, noch auf Platz 4 vorzustürmen. Dazu braucht es allerdings ein 4:2 in der letzten Runde gegen Taufkirchen.
Bericht: Klaus Theuretzbacher
Fotos: Peter Kranzl















