Landesliga, 9.Runde: Hörsching - St.Valentin 3,5:2,5

Zu Besuch beim überlegenen Tabellenführer. Im „OPALOMA“. Kein Schmäh, der Senior*innen-Treff im Hörschinger Kulturzentrum heißt tatsächlich so. Meine Fantasie wird dadurch gleich in Gang gesetzt: „O Paloma“? Oder „Opal-Oma“? Oder gar „Opa L Oma“? Wofür auch immer das L steht: Liebt Opa die Oma? Oder liest er sie (Die Omama im Apfelbaum z.B.)? Oder laust er sie gar? Was weiß man schon …

Die Frage zum Wettkampf: Werden wir zum Meistermacher? Oder versalzen wir den Hörschingern wieder einmal, wie schon anno 2024, die Suppe? Gerne, sehr gerne erinnern wir uns an die letzte Landesliga-Runde, das Grande Finale im Valentinum, als unsere Helden das nötige 4:2 im direkten Duell schafften und damit den Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga klarmachten. Und deutlich weniger gern erinnern sich unsere Schachfreunde aus Hörsching daran, das lassen sie sogleich in der Begrüßung durchblicken. Auf ihrer Seite sind drei von damals dabei, wir treten mit völlig veränderter Aufstellung an, eben mit unserer zweiten Mannschaft. Anstelle von Peter und Hans – mit den beiden hätten wir noch besser in den Seniorentreff gepasst, haha – verstärken uns diesmal Noah und Alina. Und das nicht nur quantitativ, sondern sie sind es, die letztlich für ein überaus achtbares Ergebnis sorgen. Doch alles der Reihe nach.

Brett 1: Gabor Kovacs – Klaus Theuretzbacher 1:0

Einen IM mit fast 2450 ELO als Gegner, das hat man auch nicht alle Tage. Unbekümmert und frech stürze ich mich in die Aufgabe, spiele gutes solides Schach und lasse mich nicht zu einem vermutlich inkorrekten Opfer hinreißen (vor dem Gabor großen Respekt gehabt hätte, wie er mir nach der Partie verrät). Um Zug 20 herum grüble ich lange über einen Zug nach, der einfach nicht funktioniert, entscheide mich dann richtiger Weise dagegen, dafür allerdings für einen anderen miesen Zug. Von da an geht es schnurstracks in den Gully. Gabor hat alles souverän im Griff und beendet die Partie mit einer netten Opferkombination. Aus die Maus.

Brett 2: Joachim Dornauer – Sebastian Bauer 0:1

Ups. Joachim tappt unwissentlich in Sebastians Leib- und Magenvariante. Dort kennt dieser alle Ideen, alle Eventualitäten bis tief ins Mittelspiel hinein. Stundenlang und äußerst gewissenhaft hat er alles im Home-Office analysiert und ausgearbeitet – wohingegen Joachim alle richtigen Züge am Brett finden muss. Was er allerdings tut und deshalb die Partie äußerst lange offen halten kann. Ich sehe erfreut, dass er einen Mehrbauer besitzt, und frage mich, ob er den schwarzen Gegendruck überleben wird. Tut er leider nicht. Ein ungenauer Zug, und schon nimmt das Unheil seinen Lauf. Irgendwie eine Parallele zu Brett 1. Lange gut gespielt und trotzdem verdient verloren.

Brett 3: Ferenc Gombosz – Horst Müller 1:0

Auch Horst bekommt es mit einem spielstarken ungarischen Legionär zu tun. Und gerät gleich ziemlich unter Druck. Weiß dominiert im Zentrum und auf beiden Flügeln, so scheint es. Horst hält auf kreative Weise dagegen und gibt seinem Gegner etliche Probleme auf. Die dieser allerdings recht souverän knackt. So kommt ein nur scheinbar gefährliches schwarzes Gegenspiel zustande, und im kritischen Moment stellt sich heraus, dass Weiß alles genau berechnet und stets eine Drohung zu viel hat. Gut gekämpft und – dreimal grüßt das Murmeltier! – dennoch verdient verloren.

Brett 4: Noah Pleimer – Dino Hajdarevic 1:0

Vielleicht hat sich Dino gedacht: Nur gut, dass ich nicht schon wieder gegen einen Valentiner Senior ranmuss. Immerhin hat er 2024 in der alles entscheidenden Partie gegen Alois Hellmayr verloren. Diesmal wird ihm unser Jüngster vorgesetzt, und auch der meint es gar nicht gut mit ihm. Erst sieht es (zumindest für uns Beobachtende) so aus, als hätte Noah nicht allzu viel aus der Eröffnung herausgeholt. Doch nach längerem Massieren der schwarzen Stellung (in Vertretung unseres Obermasseurs Hans quasi) wird klar, nur Noah kann auf Sieg spielen. Und das tut er wie ein super-erfahrener Meister. Sukzessive baut er seinen Vorteil aus, berechnet auch das Springer-Endspiel perfekt und fährt einen absolut verdienten ganzen Punkt ein.

Kurz nach der Partie beim Sieger-Interview meine Frage an ihn: „Herr Pleimer, unser Experte (ich zeige auf Michael Aigner) meinte, er würde sich Sorgen um Ihre Stellung machen. Standen Sie nach der Eröffnung nicht etwas schlechter?“ Worauf Noah mich verdutzt anschaut und mir glaubhaft versichert: „Also, ich bin sicher nie schlechter gestanden.“ Tja. Das wars dann auch schon wieder mit dem Interview. So ist das mit den Senioren und der Jugend und den Experten …

Brett 5: Erich Lichtl – Michael Aigner ½:½

Wenig Spektakuläres gibt es hingegen auf Brett 5 zu sehen. Erich wählt einen überaus vorsichtigen, zurückhaltenden Aufbau. Und Michael, der mit einem gesundheitlichen Handicap in die Partie gegangen ist, scheint über den frühen Ausgleich und Erichs friedfertiges Auftreten durchaus froh zu sein. Insofern logisch, dass sich die beiden nach einer guten Stunde Spielzeit auf das heute einzige Unentschieden einigen.

Brett 6: Alina Donets – Fridolin Buchegger 1:0

Umso beeindruckender dafür, was sich auf dem letzten Brett abspielt. Auch Frido hat Valentin in schlechter Erinnerung. Damals, 2024, eh schon wissen, ließ er sich von Reini abzocken. Und dieses Mal hat er es mit dessen „Schülerin“ zu tun. Auch kein leichtes Los. Und Alina will es bald wissen. Sie behält die Damen auf dem Brett und schickt ihren f-Bauer nach vorne. Der schafft es bis nach g7 und sorgt dort für Randale. Als sich bei knapper werdender Zeit die taktischen Motive häufen, bin ich schon guter Dinge, weil sich Alina nun offenbar in ihrem Element befindet. Sie sieht vieles, beinahe alles, was in der Stellung an versteckten Drohungen und Kombis drinnen ist. Der arme Frido ist nur noch Passagier und muss bald zerknirscht die Hand zur Aufgabe reichen. Bravo, Alina – weiter so!

Fazit

Eine Niederlage, die fast wie ein Sieg schmeckt. So viele Punkte wie wir konnte bislang kein anderes Team gegen Hörsching einfahren. Auf den vorderen Brettern war kaum was zu holen, die Überlegenheit der Gegner deutlich spürbar. Dafür haben wir ab Brett 4 das Maximum herausgeholt. Da stechen die Siege der beiden Kids natürlich besonders hervor. Gratulation!

Nebenbei schaffte es Hörsching mit diesem Ergebnis zum sicheren Meistertitel, führen sie doch zwei Runden vor Schluss sage und schreibe 12,5 Punkte vor dem Zweiten. Gratulation auch an sie, den absolut unumstrittenen Landesliga-Meister 2025/2026.

Und wir? Trotz des großartigen Erfolgs nichts Neues: Wir haben bloß den sechsten Platz gut abgesichert. Wenn alles bestmöglich aufgeht, können wir in den letzten beiden Runden eventuell noch ein bis zwei vor uns liegende Teams überholen. Mal sehen.

Bericht: Klaus Theuretzbacher

Fotos: Joachim Dornauer