1.Landesliga, 7.Runde: Leonding - St.Valentin 4,5:1,5

Diesmal also wieder gegen einen der Tabellenvorderen, Leonding. Die uns mit stärkster Besetzung in der Mehrzweckhalle am Kürnberg empfangen. Gar nicht gewusst, dass man hier auch Schach spielt – wofür Kellerräume (Souterrain!) alles genutzt werden können … Jedenfalls überaus ruhige und somit angenehme Spielbedingungen, keine Selbstverständlichkeit.

Bei der Begrüßung meint Alex Klinkan, wir mögen so gnädig sein und ihnen ein paar Punkte dalassen. Ja, ja, als ob wir die Favoriten wären. Nach dem Spielverlauf der ersten zwei, drei Stunden sieht es dennoch ganz gut für uns aus.

Brett 1: Christian Weiß - Joachim Dornauer 1:0

Immer wieder schiele ich auf das Nebenbrett, wo Joachim sich umsichtig aufbaut und eine wirklich gute Stellung nach der Eröffnung erreicht. Christian, den man in Schachkreisen unter „Grisu“ kennt (oder Chrisu?! – jedenfalls nicht der, der unbedingt Feuerwehrmann werden will!), ist aber nicht so leicht zu beeindrucken. Als die Zeit knapper wird, übernimmt er das Kommando und schnürt unseren – leider doch etwas zu zaghaften – Captain auf beiden Flügeln immer mehr ein. Da erkennt man dann halt den Internationalen Meister. Irgendwann ist Joachims Gegenwehr nicht mehr ausreichend. Von beiden stark gespielt.

Brett 2: Klaus Theuretzbacher – Pierre Dübon ½:½

Kann man ohne Dame einen erfolgreichen Angriff auf den König vortragen? Ja, definitiv. Frohgemut nehme ich meinem Gegner jegliche Bewegungsfreiheit und blase im richtigen Moment zum Sturm auf die schwarze Festung. Dabei opfere ich ein paar Bauern – egal, es soll Matt werden. Ich sehe verschiedene Wege zum Triumph, der Killerzug ist auch dabei, entscheide mich aber für die vermeintlich noch elegantere Variante. Pierre verteidigt sich daraufhin bestmöglich und hat Glück, schließlich kommt er mit nur geringfügig schlechterem Endspiel aus den Komplikationen heraus. Ich probiere noch einiges, ziehe dann aber die Notbremse, als ich erkennen muss, dass nur noch der Gegner Siegchancen hat. Schade, sehr schade.

Brett 3: Thomas Hebesberger – Peter Kranzl 1:0

Super Start von Peter. Gegen den ebenso erfahrenen Bundesliga-Spieler (der doch zu favorisieren ist) gestaltet er die Eröffnung mit Schwarz sehr geschickt, lässt seinem Gegner kein richtig aktives Spiel. Dann scheint er mit dem Erreichten zufrieden zu sein und tut selbst nicht mehr allzu viel für die Partie. Was Thomas gnadenlos ausnützt und kontinuierlich den Druck auf Peters Stellung verstärkt. So wird es ein langer, irgendwie aussichtsloser Kampf für Peter. Am Schluss hat er zwar nur einen Bauern weniger, aber keinen sinnvollen Zug mehr. Käse.

Brett 4: Michael Aigner– Alexander Klinkan 1:0

Habe-die-Ehre! Ein wunderschönes Beispiel dafür, was passieren kann, wenn man in einer offenen Partie auf Entwicklung und Königsicherheit verzichtet und stattdessen mit der Dame spazieren geht. Alex spielt sorglos. Und Michael bestraft ihn mit exaktem, durchgängig fehlerfreiem (!) Spiel dafür. Ich wundere mich nur, dass es trotz Mehrfigur bis ins Endspiel dauert. Aber das hat auch mit der guten schwarzen Gegenwehr zu tun. Als Michael sich eine neue Dame holt, gibt sich Alex endlich geschlagen. Starkes Stück!

Brett 5: Milos Modric – Johann Weilguni 1:0

So kann man sich täuschen. Nämlich sowohl Hans als auch ich. Jedes Mal, wenn ich vorbeikomme, denke ich mir: Ah, das wird sicher ein Remis. Hans gleicht mit den nächsten Zügen aus, dann werden alle Leichtfiguren getauscht, später auf der einzigen freien Linie auch die Türme und friedlich die Hände geschüttelt. Denke ich mir. Und Hans wohl auch. Plötzlich ist die Partie aus. Ich blicke zu Hans, will ihm zum Unentschieden gratulieren, und er schüttelt bloß den Kopf. Eine kleine Unachtsamkeit wurde von Milos mit einer entscheidenden Taktik bestraft. So schnell kann‘s gehen.

Brett 6: Martin Koch – Jakov Simic 0:1

Das wirkt erst sehr ausgeglichen, was Martin und sein Gegner fabrizieren. Dann versäumt Martin einen Vorstoß im Zentrum mit weiterem Abtausch und gerät dadurch in Bedrängnis. Als Jakov frech mit seinem Turm nach vorne stürmt, findet Martin nicht die richtige Antwort und muss schon bald die Segel streichen. Das ging wohl etwas zu einfach für Schwarz.

Fazit der Runde

Ein Match ganz im Zeichen des so genannten Anzugsvorteils (auch so ein Wort!), also mit Ausnahme von Brett 6 absolute weiße Dominanz. Schade, da war mehr für uns drin. Vor allem auf den vorderen drei Brettern. Am Ende dann doch eine herbe Niederlage, die ein bisschen wehtut. In Summe war es nicht unser Tag, wie Captain DJ nach dem Match anmerkt. Aber Spaß hat‘s trotzdem gemacht. Und um etwas anderes geht es in dieser Saison schon lange nicht mehr…

Ergebnisse

Bericht: Klaus Theuretzbacher

Fotos: Peter Kranzl