Großes Kino in Sankt Valentin. Die vier oberösterreichischen Vereine Ansfelden, Grieskirchen, Neuhofen/Krems und St. Valentin – ja, St. Valentin ist OÖ, im Fußball wie im Schach – treten gegeneinander an. Im Landgasthaus Dorfrichter in Langenhart, das sich mit großartigen Spielbedingungen für weitere Anlässe dieser Art empfiehlt.
Am Samstag sind alle Valentiner Teams an einem Nachmittag versammelt – das bringen die zahlreichen anderen Wettkämpfe (Landesliga, Kreisliga und 1. Klasse) mit sich. Für Captain Reini ein Mega-Aufwand, alles andere als easy. Das Ganze wird ein Riesenerfolg – zumindest was die Stimmung unter allen Beteiligten, die Atmosphäre als Ganzes sowie die Spielbedingungen angeht. Cool!
4.Runde: Grieskirchen - St. Valentin
Am Samstag treffen wir auf Grieskirchen, einen der heißesten Favoriten auf den (in ihrem Falle Wieder-)Aufstieg in die erste Bundesliga. Der Wettkampf verläuft in Summe spannend und ausgeglichen. Der Spielfilm ist dennoch äußerst abwechslungsreich.
Die erste Entscheidung fällt auf Brett 3 im Duell der beiden Florians. Erst sieht es gar nicht so übel für unseren Flo aus, bevor der andere Flo beweist, weshalb er der zu favorisierende Flo ist. Ein vorübergehendes Qualitätsopfer, und – pardautz! – bricht die schwarze Stellung auch schon auseinander. Grausam.
Der Ausgleich folgt an einem anderen Schwarzbrett, auf Brett 5. Mein Gegner, immerhin IM, trifft in einer schrägen Partie mit (selbst für mich) völlig ungewohnten Stellungsbildern fragwürdige Entscheidungen. Er opfert eine Figur für wenig Output und gibt in hochgradiger Zeitknappheit, vielleicht ein bisschen zu früh, auf.
Leider sollte das unser einziger Sieg bleiben. Der knappe Grieskirchner Erfolg wird auf Brett 4 besiegelt. Lois steht immer einen Tick besser, will dann aber zu viel erzwingen. Ganz gegen sein Naturell, wie er nach der Partie selbst sagt.
Laszlo kämpft sich gegen Lukas Leisch zu einem sicheren Unentschieden, mit dem er allerdings gar nicht glücklich ist. Überhaupt beweist er in dieser Saison große kämpferische Qualitäten – so soll es sein!
Dann folgt das Ende am letzten Brett. Dort wird sich der Grieskirchner Lentrodt gedacht haben: Nicht schon wieder eines dieser Valentiner Nachwuchstalente. In der Saison davor hat ihm Thomas (aus einer eigentlich verlorenen Stellung heraus) den ganzen Punkt abgeknöpft. Und auch diesmal sieht es gar nicht gut für ihn aus, hat ihn doch Noah fest im Würgegriff. Er stellt ihn vor Probleme über Probleme, allerdings ohne dass dabei etwas Konkretes herausschaut. So ist der Remisschluss nur logisch.
Als letzter muss auch Jakob zähneknirschend das Unentschieden hinnehmen. Dabei hat er seinen großmeisterlichen Gegner so was von an die Wand gespielt. Der wehrt sich jedoch mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln und schafft es, ein scheinbar aussichtsloses Turmendspiel noch in ein Remis zu verwandeln. Schade drum.
In Summe ein knappes 2,5:3,5 – was in der Tabelle keine Mannschaftspunkte für uns bringt.
Und: Dieser Tag liefert auch etwas für die Annalen. Mit dem sage und schreibe 94-jährigen Alfons Ziegler stellt Neuhofen den bis dato ältesten Bundesligaspieler auf. Der kämpft tapfer gegen Hermann Knoll, es bleibt beim statistischen „Erfolg“.
Das Zitat der Runde kommt jedoch von unserer Nummer 1, Laszlo. Er erscheint sehr knapp zur Partie, was Captain Reini einigermaßen unrund werden lässt. Ich spreche Laszlo darauf an. Seine Antwort: „Do you know ‚Lord of the Rings‘? There is one scene, when Gandalf says: ‚A wizard is never late, nor is he early, he arrives precisely when he means to.‘“
5.Runde: St. Valentin - Neuhofen/Krems
Sonntag Vormittag. Etwas kleineres Kino, weil nur Bundesliga. Keine Rahmenwettkämpfe sozusagen. Wir haben das extrem stark gestartete Neuhofen zum Gegner. Diesmal etwas schwächer aufgestellt, ohne Csonka, ohne den MostiFlo, dafür aber wieder mit dessen Bruder Max, der am Samstag ebenfalls gefehlt hat. Für eine ausgeglichene Paarung mit etlichen spannenden Duellen ist gesorgt.
Es sieht von Anfang an ganz gut für uns aus. Optisch vielversprechende Stellungen auf fast allen vorderen Brettern (2 bis 4), unklar bis bedenklich höchstens wir beide auf 5 und 6.
Dann das erste Remis auf Brett 4. Der am Vortag noch an die Welt der Musik verliehene Luki hat mit Schwarz einiges an Druck erzeugt, dem Max auch einen Doppelbauer angehängt. Aber so groß, wie ich aus der Nachbarperspektive glaube, ist sein Vorteil dann doch nicht. An ernsthafte Gewinnversuche ist offenbar nicht zu denken.
Bis das zweite Unentschieden im Sack ist, dauert es deutlich länger. Und es ist eines, bei dem wir kräftig durchschnaufen. Thomas spielt auf Brett 6 auf positionellen Vorteil, dabei gerät aber sein König kräftig unter Druck. Glücklicherweise kann er noch rechtzeitig den Kopf aus der Schlinge ziehen. Puh, das war knapp.
Als nächste folgen die beiden vorderen Bretter.
Laszlo hat mit Korobov einen ehemaligen 2700er zu bespielen und macht das ganz ausgezeichnet. Staubtrocken lässt er keine Zweifel am Ausgang aufkommen, stets bewegt sich die Partie in der Remisbreite.
Weniger happy sind wir mit dem Unentschieden auf 2. Jakob spielt schon wieder sagenhaft gut, macht auch mit Schwarz super-viel Druck und erlangt das deutlich bessere Endspiel. Es will sich allerdings kein klarer Gewinnweg auftun. Wieder ein Plus-Remis für ihn. Mit 4 aus 5 und einer Elo-Performance von fast 2600 ist er unser absoluter Highscorer.
Tja, mein Match auf 5, ein Auf und Ab. Erst vertausche ich in der Eröffnung die Varianten und stehe als Weißer schon bald etwas schlechter. Nachdem ich derzeit aber eh lieber mit Schwarz spiele, färbe ich gedanklich die Figuren um und beschließe, schwarze Qualitäten zu zeigen. Das gelingt! Nach beiderseits kreativem Spiel wird es wild, bei nur noch wenigen Minuten in hochkomplizierter Stellung finde ich ein (korrektes) Figurenopfer und freue mich, dass es tatsächlich aufgeht. Dabei gebe ich mich mit chancenreichem Angriff zufrieden, finde nicht die gewinnbringende Variante. Als ich von Reini höre, dass ein Remis für den Teamsieg reichen wird, stelle ich meine vergebliche Suche nach einem möglichen Gewinn ein.
Den holt dann Flo auf Brett 3. Er spielt wie ein hungriger Beutegreifer, schnappt sich einen Bauern und verteidigt ihn mit Zähnen und Klauen. Jasmin findet keinen richtigen Plan dagegen. Flo entscheidet also die letzte noch laufende Partie zu seinen Gunsten, das einzige entschiedene Spiel an diesem Tag. Damit heißt es – genau umgekehrt wie am Vortag – diesmal 3,5:2,5 für uns. Zwei weitere Punkte für die Tabelle, juhu.
Fazit
Mit zwei weiteren Mannschaftspunkten sichern wir unseren tollen Tabellenplatz ab und sind nach circa der Hälfte der Saison großartige Fünfte. Nun folgen einige Monate Bundesliga-Pause, im März und April geht es dann mit zweimal drei Matches in Klagenfurt und Graz weiter. Hoffentlich ähnlich erfolgreich wie in diesem höchst erfreulichen Herbst!
Ergebnisse
Bericht: Klaus Theuretzbacher
Fotos: Peter Kranzl

































