Zweiter Trainingsabend mit Georg Danner

Am 13. März durften wir heuer zum zweiten Mal die österreichische Schachlegende IM Georg Danner begrüßen, der vor fast 40 Zuschauern und Zuhörern einen Trainingsabend abhielt. Das Publikum kam wie schon Ende Jänner von nah und fern, von Linz bis Steyr, von Ybbs bis Waidhofen.

Georg machte dieses Mal einen besonders gut gelaunten Eindruck, und das ist nicht verwunderlich. Vor kurzem kehrte er von der Senioren-Mannschaftsweltmeisterschaft in Dresden zurück, wo das österreichische Team den ausgezeichneten 5. Platz belegte, und Georg am ersten Brett unglaubliche 8 Punkte aus 9 Partien (!) erzielte. Mit so einer Beute im Gepäck braucht man normalerweise mindestens einen Sattelschlepper für die Heimreise...

Der Trainingsabend wurde mit einem Turmendspiel eröffnet, das vor kurzem in Wien gespielt wurde. Dazu versammelte sich die Menge um einen Tisch. Fälschlicherweise wurde die Stellung von jenem Spieler, der einen Mehrbauern hatte, Remis gegeben. Mit einer studienartigen Wendung wäre nämlich der ganze Punkt möglich gewesen.

Im Anschluss daran erfolgte eine kleine Wiederholung zum Endspiel König und Dame gegen König, Bauer und Turm. Zusätzlich gab es noch die Präsentation des Gewinnwegs, wenn der Bauer sich nicht auf der siebten, sondern auf der sechsten Reihe befindet. Mit einer Lockerungsübung oder sanftem Aufwärmen hatte diese Aufgabe allerdings nichts mehr zu tun.

Danach präsentierte Georg eine Partie aus der ersten ungarischen Liga. Ein junger internationaler Meister versuchte mit Weiß einen sehr soliden Aufbau gegen seinen favorisierten Großmeisterkonkurrenten Robert Ruck. Es gelang Schwarz mit origineller Eröffnungsbehandlung zuerst, Weiß einen schwachen isolieren Zentrumsbauern aufzuzwingen. Um Materialverlust zu vermeiden, tauschte Weiß seinen Fianchettoläufer gegen einen Springer, schwächte damit aber verhängnisvoll die weißen Felder seiner Königsstellung. Mit großmeisterlicher Technik wurde dieser Makel nach positioneller Vorarbeit kombinatorisch auf sehenswerte Weise ausgenützt.

Der letzte Programmpunkt vor der Pause war eine Partie, die Georg selbst gegen den Moldawier Nevednichy in Dresden für sich entscheiden konnte. In der sizilianischen Najdorfvariante konnte er mit Schwarz spielend den Angriff seines Kontrahenten entschärfen und die positionellen Defizite der weißen Stellung für den Übergang zu einem vorteilhaften Turmendspiel nützen. Sehr pragmatisch spielend konnte Georg dieses in einen Gewinn ummünzen, weil sich zwei verbundene Bauern anschickten, sich in "süße Mädchen" zu verwandeln.

Der zweite Teil des Trainingsabends wurde wieder mit einem Praxisteil eingeläutet. Dieses Mal mussten ein paar mehr oder weniger schwierige Kombinationen gefunden werden, die spürbar bekömmlicher waren als der Endspielbrocken zu Beginn des Abends.

Danach gab es Lehrreiches aus der russischen Schachschule zum Thema "Bauernformationen im Zentrum" und dazu auch ein Partiebeispiel aus Georgs Auftritt in Dresden. Die Eröffnung verlief relativ ruhig. Als der die schwarzen Steine führende Deutsche Klaus Klundt zuerst einen Isolani, dann ein isoliertes Bauernpärchen besaß, kam Pfeffer rein. Auch wenn Georg über weite Strecken Vorteil besaß, wurden am Ende die Punkte geteilt - Remis. Für die Lernenden gab es zu diesem Beispiel interessante Merksätze von Karpow und Kortschnoi.

Einer Retrospektive wurden anschließend zwei Bundesligapartien von St. Valentiner Spielern unterzogen. Die Erfreulichere war der Sieg von Hans Nussbaumer, der sich nur einen klitzekleinen Schönheitsfehler erlaubte, ansonsten seinem Gegner nur wenig Grund zur Freude am Schachspiel ließ. Wie gefährlich es sein kann, die sizilianische Verteidigung mit zu wenig Theoriekenntnissen im Gepäck zu spielen, musste leider Reinhard Heimberger im gleichen Mannschaftswettkampf erfahren. Georg erzählte dabei freimütig, dass er selbst mit dem Timing des typischen schwarzen Gegenangriffs am Damenflügel ähnliche Problemchen hatte.

"...und beide haben's nicht gesehen."
"...und beide haben's nicht gesehen."
Es folgt ein Tanz auf den weißen Feldern
Es folgt ein Tanz auf den weißen Feldern
Motto: Der zieht, der gewinnt!
Motto: Der zieht, der gewinnt!
...jetzt noch eine knusprige Aufgabe zum Nachdenken...
...jetzt noch eine knusprige Aufgabe zum Nachdenken...
"Das gewinnt sogar meine Oma!"
"Das gewinnt sogar meine Oma!"
Wie immer gab's reichlich Grund zum Lachen
Wie immer gab's reichlich Grund zum Lachen

Am Ende zeigte Georg noch ein kombinatorisches Gustostückerl von Großmeister Zelcic aus dem Open in Oberwart. Eine Ungenauigkeit seines Gegners ausnützend konnte er forciert mit einem eleganten Rösselsprung in die Mitte sowohl  den rechten Flügel schwächen als auch eine zentrale Linie gegen den König öffnen. Dieser verzog sich deshalb raschestmöglich zum linken Flügel, wo ihn allerdings bereits ganze fünf Züge später das Schicksal ereilte. Zum wunderschönen Schlusszug, der mindestens zwei Rufzeichen verdient, kann man nur mit der Zunge schnalzen.

Wieder ist es Georg gelungen, auf seine typische Art dem Publikum einen sehr kurzweiligen und abwechslungsreichen Abend zu gestalten. Erst knapp vor Mitternacht endete sein Vortrag, der neben viel Lehrreichem und Wissenwertem auch wieder sehr viel Spaß und Unterhaltung bot.

Wie schon zur ersten Veranstaltung wird auch dieses Mal das Partienmaterial mit allen Analysen allen Teilnehmern via Email zugesandt. Wir möchten uns auf diesem Weg bei Georg für die beiden sehr gelungenen Trainingsabende bedanken, aber auch bei allen Gästen, die so zahlreich erschienen sind. Das große Interesse bestärkt uns im Bemühen, Veranstaltungen dieser Art auch in Zukunft zu organisieren.

 

Fotos: Peter, mehr

Bericht: Joachim